Finger weg von kleinen Igeln!?

Es ist wieder soweit: Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter, die Igel suchen nach Futter um sich ein Fettpolster für den Winterschlaf anzufressen. Zahlreiche überfahrene Igel entlang der Straßen  zeugen von dieser nächtlichen Nahrungssuche. Doch hin und wieder trifft man auch einen der geschäftigen Gesellen tagsüber im Garten. Bei diesen Tieren handelt es sich zumeist um Jungtiere, die noch besonders viel mampfen müssen, um die kalte Jahreszeit gut zu überstehen.

Und sofort stellt sich vielen die Frage: Muss ich dem armen Kleinen nicht helfen?

Die Antwort lautet ganz klar: NEIN! Doch es gibt Ausnahmen.

 

Igel sind bereits mit sechs Wochen vollkommen selbstständig und stromern im Spätsommer und Herbst als Einzelgänger umher. Sofern sie  nicht offensichtlich krank oder verletzt sind, lassen Sie sie bitte in Ruhe! Nur wenn ein Igel verletzt oder stark abgemagert ist, schwankend läuft, sich nicht mehr einrollt, hustet oder von zahlreichen Parasiten wie Zecken oder gar Fliegenmaden befallen ist, dürfen wir uns seiner annehmen. Diese Findlinge sollten unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden, der meistens auch weiß, wie man sich selbst oder wer sich professionell um die weitere Pflege kümmert. Denn wie auch bei anderen Wildtieren gilt: Es ist verboten, Wildtiere ohne vernünftigen Grund (wie eine Erkrankung oder Verletzung) aufzunehmen! Wildtiere müssen wieder ausgewildert werden! Es ist verboten, sie wie ein Haustier zu halten!

Gut gemeint: Junger Igel mit dem falschen Futter zu Tode "gepflegt"

So grausam es klingt, ist der Winter auch die Zeit, in der zu schwache Jungigel „aussortiert“ werden. Ein Igelrevier kann etliche Hektar groß sein und in einem Gebiet, in dem sich Igel nicht genug für den Winter anfressen können, werden sie auch den nächsten Sommer nur schwer überstehen. Tatsächlich überleben in freier Wildbahn nur 35-40% der jungen Igel. Es ist also von der Natur gar nicht vorgesehen, dass alle Jungtiere überleben, auch wenn es traurig und schwer zu verstehen ist.

Aber wäre es dann nicht sinnvoll, statt Jungigel „einzusammeln“, ihnen direkt vor unserer Haustür und rund ums Jahr zu helfen? Genauso ist es!

Das Beste, was Sie für Igel tun können, ist ihnen schönen Lebensraum zu schaffen, gleich im eigenen Garten. Und das ist gar nicht schwer, lehnen Sie sich einfach entspannt zurück und tun Sie einfach mal ... nichts!

  • Räumen Sie nicht auf, lassen Sie Laub unter Büschen, Bäumen und in Beeten liegen, damit die Igel darunter nach Insekten, Würmern und Schnecken suchen können.
  • Schaffen Sie Reisig, Baum- und Heckenschnitt nicht weg, sondern lassen Sie es zu einem Haufen aufgeschichtet in einer Ecke des Gartens liegen als Unterschlupf für den Igel.
  • Riegeln Sie ihren Garten nicht hermetisch ab. Ein Igel braucht zum Überleben mehr als einen einzelnen Garten, ermöglichen Sie ihm den Durchschlupf, indem Sie Lücken unter dem Zaun lassen und keinen engmaschigen Draht verwenden.
  • Verzichten Sie auf Mähroboter, Laubsauger und jegliche Art von Gift. Sie bringen den Igeln schneller den Tod als der Hunger!
  • Lassen Sie Gruben, Schächte und Teiche nicht zu tödlichen Fallen werden. Decken Sie sie ab oder schaffen Sie Ausstieghilfen in Form von Brettern.
  • Und fahren Sie nicht jede kleine Strecke mit dem Auto! Igel fallen selten Fußgängern und Radfahrern zum Opfer!

Alles klar? Dann noch einmal in Kürze:

Durch meinen Garten läuft ein kleiner Igel, was soll ich tun?

Nichts! Freuen Sie sich, offenbar gehört Ihr Garten noch zur naturnäheren Variante. Aber sperren Sie vorsichtshalber Hund oder Katze ein, damit sie in dem kleinen Kerl kein neues Spielzeug oder Beute sehen.

Der Igel scheint krank zu sein, wie kann ich ihm helfen?

Wenn der Igel verletzt ist, torkelt, hustet, wirklich noch SEHR klein ist (geschlossene Augen, weiche, helle Stacheln) oder es bereits mitten im Winter ist, dann ab mit ihm zum Tierarzt. Bringen Sie ihn in einem mit Zeitungen oder Handtüchern ausgepolsterten Karton unter und vergessen Sie nicht, sich vorher telefonisch in der Praxis anzukündigen. Auf keinen Fall sollten ohne Absprache mit einem Tierarzt oder einer Igelstation gut gemeinte Fütterungsversuche unternommen werden, da sie den Igeln im schlimmsten Fall sogar schaden können! Absolut verboten für die Insektenfresser sind: Obst, Gemüse, Milch(produkte) und Babybrei. In Ordnung sind: Katzendosenfutter, kurz angebratenes Rinderhack, ungewürztes Rührei.

Was kann ich noch tun?

Alles, was der gesamten Natur und dem Klima zugutekommt: Naturnah gärtnern, auf Gift und unnötige Technik im Garten verzichten und öfter mal das Auto stehen lassen. Gar nicht so schwer, oder? Geben Sie sich einen Ruck!

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