Checkliste: Wildtier gefunden – was nun?

Merke:

Wildtiere gehören niemandem! Es ist erlaubt, erkrankte bzw. verletzte Wildtiere kurzfristig zur Pflege aufzunehmen, aber es ist verboten, sie zu behalten!

 

Oberstes Ziel ist es daher immer, ein Wildtier wieder auszuwildern! Die Wildbahntauglichkeit sollte ein Experte (Tierarzt, Wildtierpfleger) feststellen!

 

Für manche Wildtiere gelten besondere Gesetze (z.B. Jagdrecht b. Rehen, Hasen, Greifvögeln) oder es ist verboten, sie wieder auszusetzen, da sie als sog. invasive Art gelten (z.B. Waschbär, Marderhund)!

 

 

1. Frage: Was für ein Tier ist das?

 

Die wichtigste Frage dabei: Ist das überhaupt ein Wildtier? Und wenn ja, was für eins?

Eine entlaufende Katze oder ein entflogener Kanarienvogel wird bestimmt vermisst, als erstes die Nachbarn fragen! Zum Mikrochip, Tätowierung oder Ringnummer ablesen kann ein Tierheim oder eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Auch Tauben mit Ring gehören in der Regel jemandem, gerade bei Brieftauben hilft die Taubenklinik in Essen auch telefonisch gerne weiter.

Bei einem Wildtier ist es sehr wichtig, dass man zumindest ungefähr erkennen kann, um was es sich für ein Tier handelt. Einen Igel erkennt wohl jeder, aber wie ist das bei den Wildvögeln? Je nach dem, um was für ein Tier es sich handelt oder wie alt es ist, braucht es vielleicht gar keine oder ganz dringend Hilfe. Zudem ist es immer gut zu wissen, wie gefährlich das Tier mir selbst werden könnte! Naturführer oder auch die Bestimmungshilfe auf der Homepage des Nabu können dabei wertvolle Unterstützung bieten.

 

2. Frage: Braucht das Wildtier wirklich Hilfe?

 

Besonders vollbefiederte Jungvögel sitzen „untrainiert“ noch viel auf der Erde und können scheinbar nicht fliegen. Sie befinden sich in der sogenannten Bettelflugphase und werden noch von den Eltern gefüttert! Diese daher evtl. nur in Sicherheit bringen (erhöhter Platz, Katze einsperren) und von weitem beobachten. Es kann einige Zeit dauern, bis die Eltern sich wieder dazu trauen!

Auch junge Rehe und Feldhasen werden von ihrer Mutter versteckt abgelegt und nur in der Dämmerung gesäugt. Diese noch so niedlichen Tiere dürfen auf keinen Fall angefasst werden! Die Mutter fürchtet den Menschengeruch und kann so sehr abgeschreckt werden, dass sie ihr Kind im Stich lässt!

Noch nicht flügge Vögel, die aus dem Nest gefallen sind, können hingegen ohne Probleme behutsam hochgehoben und ins Nest zurückgesetzt werden.

 

3. Frage: Kann ich sinnvolle Hilfe leisten?

 

Ist ein Wildtier offensichtlich verletzt oder erkrankt (Blutungen, Lahmheiten; versucht, aber kann nicht fliehen), dürfen wir durchaus Hilfe leisten.

Leichtere Verletzungen, Parasitenbefall oder Erschöpfung können meist gut behandelt werden, sodass das Tier schnell wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Ist das Tier sehr schwer erkrankt oder verletzt, kann es sinnvoll sein, es einzuschläfern. Das sollte ein Tierarzt oder ein erfahrener Wildtierpfleger beurteilen. Eine Tierarztpraxis ist daher ein sinnvoller erster Anlaufpunkt mit einem gefundenen Wildtier.

Sollte es danach allerdings noch einige Pflege brauchen, stellt sich die Frage, wer das übernimmt. Wildtierauffangstationen sind rar gesät und meist nicht in unmittelbarer Nähe. Habe ich selbst die Zeit und Möglichkeiten, das Tier zur Pflege aufzunehmen? Traue ich mir das zu? Wenn nicht, werde ich dafür sorgen, dass es gut unterkommt? Sollte man gerade auch die letzte Frage mit „Nein“ beantworten, kann es manchmal gnädiger sein, der Natur seinen Lauf zu lassen und dem Wildtier den Stress des Einfangens und Transportes zu ersparen. Nur wenn ich schon weiß, was ich mit dem Tier anschließend mache, sollte ich es einfangen!

In den wenigsten Fällen wird es allerdings so weit kommen, dass man sich noch um das Tier kümmern muss. Meist sind die Tiere entweder so schwer verletzt, dass sie nur noch erlöst werden können, oder ihnen ist so schnell geholfen, dass sie gleich oder nach einer kurzen Erholungsnacht wieder ausgesetzt werden können.

 

4. Frage: Wie transportiere ich das Tier?

Bevor man ein Tier fängt, sollte man sich Gedanken machen, wie man es zum Tierarzt bekommt. Der Transport in der Hand ist nicht nur unpraktisch und für das Tier äußerst stressig, sondern kann auch gefährlich werden!

Für die meisten kleineren Tiere wie Vögel oder Igel eignen sich stabile Kartons oder auch eine Katzentransportbox, die mit Handtüchern verdunkelt wird. Als Unterlage und Polster können Zeitungspapier oder Küchenkrepp dienen. Achtung: Einige Wasservögel setzen derart flüssigen Kot ab, dass ein dünner Pappkarton schnell durchweicht ist!

Auch wenn gerade einer zur Hand ist, sollte man Wildvögel nicht in einen Vogelkäfig setzen! An den Gitterstäben zerstören sie sich schnell das Gefieder, sodass sie nicht mehr fliegen können!

 

5. Frage: Wie fange ich das Tier?

Beim Fangen eines Wildtieres dreht sich alles um die Verletzungsgefahr und zwar für Mensch und Tier! Im Zweifelsfall sollte man immer um Hilfe bitten, am besten um die eines Experten!

Gerade das Wildvogelgefieder und die Flügel müssen unbedingt geschont werden, damit der Vogel seine Flugfähigkeit behält! Am schnellsten werden diese beim wilden Herumflattern verletzt, daher sollten die Flügel immer eng am Vogelkörper gehalten werden, entweder mit der Hand bei kleinen Vögeln oder Decken und Handtüchern bei größeren.

Aber auch uns können Wildtiere Verletzungen beibringen. Bei Raubtieren denkt natürlich jeder sofort an die Zähne, Greifvögel hingegen nutzen je nach Art (bes. Eulen) auch gerne die Krallen als Waffen zur Verteidigung! Daneben können auch Möwen, Rabenvögel und Finken (v.a. Kernbeißer, Dompfaff) sehr kräftig zubeißen! Reiher und Störche setzen ihren Schnabel im Gegensatz dazu eher wie eine Harpune ein und stechen bevorzugt nach den „fischartig“ glänzenden Augen! Schwäne und Gänse drohen zwar viel mit dem Schnabel, wirklich gefährlich ist aber ihr kräftiger Flügelschlag, der äußerst schmerzhafte Prellungen verursachen kann.

 

 

Noch Mut? J Wenn ja, nichts wie ran, ans Wildtierretten!

In der Regel haben ja wir Menschen mit Straßen, äußerst gepflegten Gärten und Monokulturen ihre Probleme verursacht, da können wir uns gerne ein bisschen revanchieren!

Doch da Vorsorge natürlich immer besser ist, hilft Ihnen der Nabu mit Tipps und Tricks gerne dabei, die Welt für die Wildtiere ein klein bisschen besser zu gestalten. Im eigenen Garten oder Balkon können wir sofort beginnen! 

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