Präsentation am 29. September 2012, 9:00 Uhr

Ende der 80er-Jahre begann man, als lockerer Zusammenschluss zum AKFW aus den verschiedenen lokalen Naturschutzverbänden in NW-Niedersachsen augenscheinlich wertvolle Feuchtwiesengebiete zu kartieren, und zwar im Hinblick auf die bedrohten Wiesenvogelarten. Der Grund war die Auflage an alle EU-Staaten, FFH-Gebiete zu melden. Die Kartierungen sollten also dazu dienen, schützenswerte Gebiete zu finden und vorzuschlagen.

Namen der beteiligten Kartierer (rot markiert die Beteiligten vor Ort im Papenburger Großraum)

2001 kam ich hinzu und begann 2002, die Brutvogelkartierung fortzusetzen. 2004 betrat Wilfried Reß den Schauplatz, um mitzuhelfen, der uns 2009 wieder verließ, um nach Bayern auszuwandern.

Wilfried vor einer Schautafel westlich von Tunxdorf. Links im Hintergrund das überschwemmte Deichvorland.

2007 trat Loek Bosman auf die Bühne, um bis heute bei der Kartierarbeit mitzuwirken.

Loek auf der maroden Rheder Brücke.

Ich habe einige wichtige, mehr oder weniger bedrohte Brutvögel der Feuchtwiesen ausgewählt, um die Negativentwicklung in diesen Biotopen zu demonstrieren.

Die Zahl in den eckigen Klammern verweist auf den Status in der Roten Liste für Niedersachsen; hier also 2 = stark gefährdet.

Diese Art benötigt hohen Gras- und Staudenbewuchs über hohem Grundwasserstand. Wachtelkönige gibt mit gelegentlich verstreutem Einzelvorkommen nur noch im Deichvorland der Ems.

3 = gefährdet

Kiebitze sind weniger anspruchsvoll. Sie haben eine Vorliebe für kurzes Gras mit kahlen Stellen oder gehen am liebsten auf Ackerflächen, was ihnen bei heutigen Methoden der Bewirtschaftung der Felder meist zum Verhängnis wird.

Brachvögel sind weniger anspruchsvoll und können auch auf Ackerland brüten. Allerdings sind die Gelege durch Feldarbeiten stark gefährdet, ebenso wird das Abmähen des Graslandes zur Brutzeit oft zum Verhängnis für Brut und Jungvögel.

Diese Art ist sehr spezialisiert und benötigt echte Feuchtwiesen, die extensiv bewirtschaftet werden und die in sich variabel sind, d. h. die sowohl feuchte als auch trockenere Bereiche bieten, um entsprechend der Witterung Flexibilität zu gewährleisten. Bei einheitlicher Wiesenstruktur besteht die Gefahr, dass die Küken in regenreichen Frühjahren an Kälte und Feuchtigkeit sterben, weil sie nicht auf trockenere Bereiche ausweichen können. Ebenso sind trockene Frühjahre ungünstig, wenn keine Feuchtbereiche übrigbleiben, wo die Altvögel nach Nahrung stochern können. Die Jungvögel stochern nicht im Boden, sondern sie benötigen blumenreiche Wiesen, wo sie Insekten von den Pflanzen picken können.

Bekassinen brauchen nasse Wiesen. Da diese nicht mehr vorhanden sind, gibt es in den übriggebliebenen Feuchtwiesen keine Bekassinen mehr. Letzte Rückzugsgebiete sind die Wiedervernässungsflächen der Moore.

Rotschenkel brauchen ähnliche Verhältnisse wie die Uferschnepfen. Wenn möglich sollten Blänken vorhanden sein, deren Wasserstände bei jeder Witterung Schlammflächen oder Flachwasser bieten.

Foto: Daniel Petterson (NABU Vogel des Jahres 1998)

Feldlerchen sind nicht unbedingt Feuchtwiesenvögel. Sie kommen dort aber auch vor und haben wie woanders auch stark abgenommen.

Diese Art bevorzugt ähnliche Biotope wie der Wachtelkönig. Hohes Gras und Hochstauden in insektenreichen Wiesengebieten bieten Jagd- und Singwarten. Braunkehlchen gibt es fast ausschließlich nur noch im Deichvorland der Ems.

Zum Wachen und Singen bevorzugen Wiesenpieper Zaunpfosten und andere Aussichtspunkte am Rande von kurzgrasigen, feuchten Wiesen, wo sie am Boden Futter suchen.

Es gibt noch einige wenige Brutpaare im Raum zwischen Völlen und Leer, auch wenn ein Brutnachweis bedingt durch die schlechte Einsehbarkeit der Gräben und Sieltiefen in diesem Bereich noch nicht erbracht werden konnte. Wegen des Mangels an Daten ließ sich für diese und auch folgende Art keine Statistik erstellen. Sicher ist jedoch, dass Knäkenten fast ausgestorben sind, was durch den Rote-Liste-Status 1 (vor dem Aussterben bedroht) ausgedrückt wird.

Löffelenten sind als Brutvogel etwas häufiger zu finden als die Knäkente. So gibt es gelegentlich noch mindestens eine brütende Ente in den Brualer Wiesen und etliche Brutpaare in den Wiesen zwischen Völlen und Leer.

In den Moorgebieten sind Löffelenten regelmäßige Brutvögel.

In diesem Gebiet gibt es zwei ausgebaggerte Seen. Auf dem westlichen befindet sich ein Ponton, der als Brutplatz einer kleinen Flussseeschwalbenkolonie dient. Diese Seen sind in diesem Wiesengebiet eine Bereicherung für die Natur.

Obwohl dieses Wiesengebiet sehr gut aussieht und der Grundwasserspiegel hoch zu sein scheint, gibt es hier keine Uferschnepfen und keine Rotschenkel. Die verbliebenen Kiebitze drängen sich hauptsächlich um die beiden Seen herum.

Der Stapelmoorer Hammrich, zwischen Vellage und Weener, ist ein großes Wiesengebiet mit hohem Grundwasserstand, aber die wenigen verbliebenen Uferschnepfen- und Rotschenkelpaare drängen sich auf dem Grünland westlich des Nesseborger Sees zusammen, wo sie rücksichtslos regelmäßig zur Brutzeit ausgemäht werden.

Dies ist ein riesiges Gebiet - durch die Bahnlinie nach Groningen zweigeteilt - mit sehr viel Grünland. Es hat sehr viel Potenzial für Wiesenvögel, jedoch ist es offensichtlich, dass die stark zurückgehenden Bestände auf das Abmähen zur Brutzeit zurückzuführen sind. Die letzten Uferschnepfen drängen sich auf einem Areal östlich von Mitling-Mark ztusammen, wo aber ebenso alljährlich während der Brutzeit radikal nach moderner Methode gemäht wird. Hier wäre es angebracht, wenn ein Streifen von 300 Metern Breite über eine Länge von 1,5 km entlang des Wallgrabens geschützt werden könnte.

Viele solcher Gräben zerteilen das Gelände und fließen dem Wallgraben in der Mitte zu. Auf diesen Gräben sieht man zur Brutzeit Arten der Roten Liste, wie Löffelente, Krickente und die stark bedrohte Knäkente.

Während es 1987 noch 120 Brutpaare der Uferschnepfe gab, wurden 2004 nur noch 36 Brutpaare im gesamten Gebiet verstreut vorgefunden. 2012 drängte sich der Rest von 14 Brutpaaren im Bereich östlich von Mitling-Mark zusammen. Einige Brutreviere sind wohl auch deshalb verschwunden, weil dort das Grünland zu Ackerland geworden ist.

Eine weitere Bedrohung für die Feuchtwiesenvögel stellen die Spülflächen dar. Es gibt westlich von Ihrhove große Bereiche von Spülflächen in allen Stadien. Oben sieht man den Zustand kurz nach der Einpolderung einer Feuchtwiesenfläche.

Hier sehen wir die Flächen, die von der Aufspülung mit Schlamm aus der Ems betroffen sind. Das ursprüngliche Grünland soll angeblich wieder hergestellt werden, es ist dann aber einige Meter höher liegend als bisher und deswegen für Feuchtwiesenvögel nicht mehr geeignet.

Über Rohre wird Schlamm aus der Ems abgesaugt und in die eingepolderten Flächen gepumpt.

Einige Jahre bleiben die Schlammflächen zum Austrocknen liegen. Mitunter sind danach die Flächen mit Weidengestängen bewachsen.

Schließlich wird alles zusammengeschoben, planiert und für die landwirtschaftliche Nutzung aufbereitet.

Dies ist das kleinste Untersuchungsgebiet in unserer Umgebung. Es liegt zwischen den Brualer Wiesen und dem Ort Diele.

Von den entsprechend wenigen Wiesenvögeln sind heute keine mehr zu finden.

An sich sieht das Gebiet nicht schlecht aus, mit gesund aussehenden Gräben und hohem Wasserstand, aber...

die Bäume im Hintergrund sind meines Erachtens die Ursache für das Schwinden der Wiesenvögel. Die ursprünglichen Hecken sind zu hohen Baumreihen aufgewachsen, was das Gelände einengt und die Vögel beängstigt. Sie möchten weithin freie Sicht haben, um Krähen und Greifvögel rechtzeitig sehen und angreifen zu können.

Dies ist ein relativ großes Gebiet, das südlich an die Leda-Jümme-Niederung angrenzt. In der Nordwestecke wurde in den letzten Jahren ein Entlastungspolder mit vielen Wasserflächen in unterschiedlicher Tiefe für die Wasservögel angelegt. Hier finden Uferschnepfen und Rotschenkel gute Nahrungsgründe, so dass eine Erholung der Wiesenvögelbestände zu erwarten wäre, wenn entsprechende Schutzmaßnahmen für Gelege und Jungvögel einhergingen.

Blick vom Deich in den Entlastungspolder.
Neu angelegte Wasserflächen für Wasservögel.

Ein schönes Wiesenvogelgebiet, das unter Naturschutz steht, aber leider nehmen die Bestände auch hier bedrohlich ab. Ein Mähen in der Brutzeit könnte auch hier dazu beigetragen haben.

Bedauerlicherweise wurde der Hammrich im südlichen Bereich stark dadurch beeinträchtigt, dass die Fa. Wittrock ihr Gelände für die Bauchschuttlagerung in die Wiesen hinein ausgedehnt hat (auf obiger Karte rot eingezeichnet).

Im nördlichen Drittel finden wir, abgesehen von einer kleinen Pferdekoppel, nur noch Ackerland.

Im Hintergrund die eingedeichten Industrieflächen der Fa. Wittrock. Im Vordergrund die Rohrleitung vom Papenburger Hafen zu den Spülflächen bei Brahe.
Blick in den Kernbereich.
Der nördliche Teil.

Ein großes Übel für die Wiesenvogelwelt sind die Spülflächen. Hier sind schon große Bereiche der Feuchtwiesen vernichtet worden, indem der Schlamm aus der Ems meterhoch aufgespült worden ist. Für die Landwirte ein Gewinn, aber für die Wiesenvögel, abgesehen vom Kiebitz, das Aus in diesen Bereichen.

Bis auf eine Fläche konnte hier die Zuspülung mit Schlamm aus Ems und Hafen noch gestoppt werden. In der Nähe des Winterdeichs gibt es ein flaches Gewässer, das gern von Enten und Limikolen aufgesucht wird. Hier und im Land dahinter brüten einige Limikolen, darunter Flussregenpfeifer, Säbelschnäbler und neuerdings einige Paare Uferschnepfen. Auch hier wird der Wiesenanteil für den Maisanbau stark reduziert.

Blick vom Pumpwerk nach Nenndorf.
Vom Landkreis gekaufte Fläche.
Blick vom Deich nach Tunxdorf.

Auch hier werden große Wiesenflächen in Maisäcker umgewandelt. Von den beiden Seen ist besonders der Rottsee ein kleines Highlight. Der Artenreichtum neben Haubentaucher, Blässhuhn, Nilgans, Kanadagans und Stockente wäre allerdings größer, wenn diese Gewässer nicht rundherum von Anglern belagert würden.

Maisfelder (im Hintergrund) durchneiden die ehemaligen Feuchtwiesen.
Blick nach Aschendorf.

Hier und im südlichen Deichvorland stehen Wachtelkönig und Braunkehlchen im Vordergrund. Nirgends im weiteren Umkreis gibt es eine so hohe Bestandsdichte dieser Arten wie hier. Ferner bildet das Deichvorland der Ems ein Rückzugsgebiet für den Großen Brachvogel, der auch außerhalb des Gebietes brütet, aber dort durch die landwirtschaftlichen Methoden stark gefährdet ist.

Blick über die Ems Richtung Meyer Werft.

Fast jedes Jahr im Vorfrühling wird das nördliche Deichvorland überschwemmt, wenn einige Faktoren zusammentreffen: Stürme, Flut, Voll- oder Neumond und Regenfälle am Oberlauf der Ems. Ein bis zwei Wochen bleibt das Wasser stehen und hinterließ in früherer Zeit eine dünne Schlickschickt. Im Jahr 2012 blieb jedoch eine Schlammschicht von bis zu 20 cm dicke zurück.

Die überschwemmten Bereiche sind ein Magnet für viele Wasservögel. An Randbereichen und auf Inseln finden sich auch etliche durchziehende Limikolen ein.

Erstmalig 2012 Schlickflächen in ungewöhnlicher Dicke.
Abgetrockneter Schlick (20 cm dick).
Blick nach Rhede, im Vordergrund Brachland.
Blick von der Flutbrücke nach Norden

Dieser südliche Teil des Deichvorlandes bildet mit dem nördlichen eine Einheit und wird nur durch die Emsbrücke und die Rheder Flutbrücke vom Norden getrennt. Entsprechend ist die Struktur und die Avifauna ähnlich, nur dass nach Süden hin das Deichvorland trockner wird und auch nicht den jährlichen Überflutungen ausgesetzt ist. Auch wurde hier das ursprüngliche Biotop durch Anpflanzung von Auwald in verschiedenen Teilen zerstört, d. h. die für Wiesenvögel notwendige offene Landschaft wurde zerstückelt.

Auwaldanpflanzungen (grün schraffiert).
Im Vordergrund Brachland mit natürlicher Verbuschung

Ein Problem im Deichvorland, vor allem im Süden, ist die Verbuschung. Bäume und Büsche verdrängen die Wiesenvögel, die ja einen weiten Blick benötigen, um herannahende Beutegreifer rechtzeitig erkennen und angreifen zu können. Hoher Bewuchs erlaubt Greifvögeln den Überraschungsangriff und Rabenkrähen rücken mit ihren Brutplätzen näher heran.

Dasselbe Brachlandstück mit zugepflanzten Bäumen 7 Jahre später.
Auch an anderen brachliegenden Stellen kommt die Verbuschung auf. Geht man auf die Knie...
... erkennt man gegen den Himmel die jungen Weißdornbüsche.

Dies ist ein riesiges Gebiet, dessen etwässerte Flächen fast nur noch Kiebitzen und einigen Brachvögeln Brutmöglichkeiten bieten. Die letzte Bestandsaufnahme im Jahr 2006 ergab nur noch 4 Uferschnepfenpaare (1987 25 Paare) und 1 Paar Rotschenkel und zwar nur noch im Bereich nördlich und westlich des Flaarsees, wo es zeitweise noch etwas feuchter ist.

Der Bereich, wo 2006 die letzten Uferschnepfen brüteten.
Wiese nördlich des Flaarsees

Hier haben wir ein Beispiel, wie Kompensationsmaßnahmen das Gegenteil bewirken, wenn man sie nur anlegt und nicht weiter pflegt. Kleine Blänken wie hier trocknen schnell aus und wachsen zu. Bald gibt es nur noch eine Weidengebüschgruppe, die Brutmöglichkeit für die Rabenkrähe und Ansitz für Greifvögel bietet.

Südlich von Borsum bis Schukenbrock und westlich der Autobahn bis Neurhede und Neuengland gibt es noch zwischen den vielen Maisäckern etliche Wiesenflächen, wo aber nur Kiebitze und einige Brachvögel als Wiesenvögel zu finden sind.

Dieses schöne Gebiet wurde leider durch den Autobahnzubringer geteilt. Der südliche Teil steht unter Schutz und nach entsprechenden Verträgen bewirtschaftet. Trotzdem hat der Uferschnepfenbestand in den letzten Jahren stark abgenomen, die Bekassine fanden wir hier nicht mehr und der Rotschenkel scheint nur ebenfalls verschwunden zu sein.

Der nördliche Teil wird zunehmend intensiv bewirtschaftet und selbst die Kiebitze werden mehr und mehr verdrängt.

Blick von Norden nach Süden über den Nordteil.
Blick über den Nordteil Richtung Nordland-Papier.
Pferdekoppel im südlichen Bereich mit Blick nach Osten.
Blick über den Südteil nach Nordosten.

Der nördliche Bereich wurde im Winterhalbjahr bei starken Regenfällen am Oberlauf der Ems überschwemmt. Dort fanden die Uferschnepfen im Frühjahr gute Bedingungen. Seit etlichen Jahren sind im gesamten Gebiet aber keine Brutpaare mehr zu finden. Das mag an den modernen Methoden der Landnutzung liegen; denn hier wird wie überall, wo es keine Schutzmaßnahmen gibt, während der Brutzeit gemäht. Die Großen Brachvögel halten hier noch einen guten Bestand, Rotschenkel gibt es hier keine. Die Kiebitze halten sich bei 30 Brutpaaren, während Wiesenpieper fast und die Braunkehlchen ganz verschwunden sind.

Der nördliche Bereich.
Das Brutgebiet der Uferschnepfen

Dieses große Gebiet wird überwiegend intensiv bewirtschaftet. Es gibt nur noch einen kleinen Flecken, wo einige wenige Uferschnepfen brüten. Die Rotschenkelvorkommen scheinen sich nur noch auf die Wiedervernässungsflächen zu beschränken.

Hier, in diesem Bereich südwestlich von Börgerwald, gibt es, wie in den meisten Gebieten, keinen Schutz für die Wiesenvögel. Hier wurden Waldstreifen hineingepflanzt, Wiesen in Ackerland verwandelt und entsprechend entwässert. Es gibt hier nur noch Kiebitze und 1-2 Paare Brachvögel.

Das einstige Kerngebiet für Uferschnepfen und Rotschenkel.

Das Quellgebiet der Ohe, südlich von Börger gelegen, wird offensichtlich extensiv genutzt. Es sieht gut aus, aber es ist für unsere Wiesenvögel zu kleinmaschig von Gebüsch und ehemaligen Hecken durchsetzt, die zu großen Baumreihen aufgelaufen sind.

Dieser große Bereich zwischen Börger, Lorup und Breddenberg besteht überwiegend aus Ackerland. Folglich sind hier Uferschnepfen und Bekassine nicht mehr vorhanden. 

Dieses Gebiet schließt sich an das vorherige in nordöstlicher Richtung an und besteht ebenso überwiegend aus Ackerland. Uferschnepfen und Rotschenkel sind hier verschwunden und der Brachvogelbestand hat sich auf die Hälfte reduziert. Lediglich der Kiebitz kommt hier häufiger vor als 1989.

Die Ohe - als FFH-Gebiet anerkannt -, die beide Gebiete mittig durchfließt, macht einen gesunden Eindruck.

Das Jammertal ist durch aufgewachsene Hecken stark zergliedert und deshalb für Wiesenvögel kaum noch interessant. Die Uferschnepfe ist nicht mehr vorhanden. In der Südostecke befindet sich eine eingepolderte, wiedervernässte Abtorfungsfläche, die hier den Wert des Jammertals bestimmt. Hier brüten etliche Schwarzhalstaucherpaare, Rotschenkel - sonst im Gebiet nicht mehr zu finden - finden hier zu mehreren Paaren einen geeigneten Brutplatz. Auch ist hier die Masse der Wiesenpieper zu finden und einige wenige Bekassinen fliegen ihre Balzflüge.

Die Bergstraße
Die Jammertalstraße - rechts die Wiedervernässungsflächen
Blick über die Vernässungsflächen zu den U-Boot-Funktürmen.

Hier gibt es neben großen Lachmöwenkolonien etliche Schwarzhalstaucher-Brutpaare, Rotschenkel, Wiesenpieper und Blaukehlchen.

Das alljährliche Erscheinen des Wachtelkönigs ist sehr sprunghaft (von 49 [1997] bis 3 [2011]), was wohl von den Witterungsverhältnissen abhängt. In feuchten Frühjahren mit hohem Grundwasserspiegel scheint er in größerer Zahl aufzutreten als in trockenen. Außerhalb des Deichvorlandes gibt es wegen der Entwässerung außer einzelnen verirrten Rufern kaum noch Wachtelkönige. 2012 schien wieder ein gutes Jahr zu sein, so dass in den Leher Wiesen seit langem wieder 3 Rufer erschienen. Dennoch haben wir im Verlauf der Jahre eine abfallende Tendenz. Besonders scheint die Emsvertiefung wegen des Abfallens des Grundwasserspiegels im Deichvorland eine negative Auswirkung zu haben, lediglich das regenreiche Frühjahr in 2012 sorgte offenbar für einen Aufschwung auf 22 Rufer.

Dem Kiebitz geht es unter unseren Wiesenvögeln noch am besten, zumindest innerhalb der mehr oder weniger geschützten oder extensiv bewirtschafteten Gebiete. Außerhalb in der überwiegenden Agrarlandschaft mag es weitaus schlechter aussehen. Die Neigung für seine Gelege kahle Stellen aufzusuchen, lockt ihn zunächst auf die liegengebliebenen Ackerflächen. Die ersten Gelege werden meistens durch die Bestellung dieser Flächen vernichtet. Nachgelege auf denselben Flächen werden durch die allmähliche Bearbeitung in Schüben - Pflügen, Eggen, Einsaat - aufs Neue zerstört. Lediglich auf den spät auflaufenden Maisfeldern, wo lange seit der Aussaat Ruhe herrscht, kommen einige Junge hoch. In den Wiesen gehen Gelege oft durch Walzen zugrunde. Die Düngung der Wiesen führt zu frühzeitigem hohen und dichten Grasaufwuschs, der den Kiebitzen wegen der Sichtbehinderung die Attraktivität nimmt.

Auch hier mag der Eindruck entstehen, dass es dem Großen Brachvogel gar nicht so schlecht geht. Die zugrundeliegenden Daten wurden aber nur in den oben angeführten Gebieten ermittelt, die noch letzte Rückzugsgebiete dieser Arten darstellen. Außerhalb dieser Gebiete sind all diese Arten selten geworden oder fast ausgestorben.

Der Große Brachvogel erreicht ein relativ hohes Alter. Dies ist der Grund, warum sich ein plötzlicher Einbruch in unseren Beobachtungsgebieten noch eine Weile hinzieht, wenn es diesem Vogel nicht gelingt, sich selbst während seiner Lebenszeit erfolgreich zu reproduzieren.

Das große Problem für diese Art, wie auch für Kiebitz, Uferschnepfe und Rotschenkel, ist die zu frühe Mähzeit der Wiesen, die in die Brutphase fällt. Gelege und Jungvögel werden dann meist ausgemäht. Nächtliche Prädatoren, hauptsächlich Füchse, tun ihr Übriges.

 

 

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